Kritik an grünen und ethischen Finanzprodukten

Nachhaltiges Investment ist ein sensibles Thema. Hier prallen unterschiedliche Lebenseinstellungen aufeinander, sodass sich auch viel Raum für Kritik ergibt. Welche Kritikpunkte dabei immer wieder eine Rolle spielen, möchten wir Ihnen gerne im Folgenden näherbringen. Auf diese Art und Weise können Sie sich ein ausgeglichenes Bild von Investitionen in die Nachhaltigkeit machen.

Intransparenz

Dass mittlerweile ethische, soziale und ökologische Aspekte für viele Anleger zu wichtigen Anlagekriterien geworden sind, steht außer Frage. Dennoch ist dieses Anlagefeld noch nicht sehr betagt, sodass es sich oft dem Vorwurf ausgesetzt sieht, für den Laien nicht transparent genug zu sein. Schlagwörter wie „öko“, „sozial“ und „ethisch“ verkaufen sich gut – nur verständlich, dass auch in diesen Bereichen die Gefahr besteht, einem Etikettenschwindel aufzusitzen. Gegen schwarze Schafe ist keine Branche gefeit. Umso wichtiger ist, dass man als Anleger nicht komplett das Ruder aus der Hand gibt, eigenständig Informationen einholt und kritisch bleibt. Gerade für Personen, die mit ihrem Geld mehr als eine Rendite erzielen wollen, sollte dieses eine Selbstverständlichkeit sein.

Einschränkung des Anlagehorizonts

Ab und an wird kritisiert, dass man als Anleger durch die Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien, seinen Anlagehorizont zu stark einschränke. Befürchtet wird im Zuge dieser Tatsache, dass durch die Spezialisierung auch das Risiko steige. Dieses muss allerdings relativiert werden: Natürlich schränkt man die Anzahl möglicher Werte ein, wenn man ökologische, ethische und soziale Werte bei seiner Geldanlage beachten möchte. Dass hierdurch aber automatisch ein größeres Risiko entsteht, kann aufgrund der vielfältigen verbleibenden Möglichkeiten nicht automatisch unterstellt werden. Berechtigt ist diese Kritik im Grunde nur dann, wenn die eigenen Kriterien derart hoch gesteckt sind, dass wirklich nur noch wenige Werte und Anlagebereiche übrig bleiben.

Uneinheitlichkeit in den Definitionen

Ein ganz grundliegendes Problem ergibt sich, wenn man sich vor Augen führt, dass niemand die Definitionsgewalt darüber besitzt, was ethisch, sozial und ökologisch ist. Während der eine es schon als ökologisch wertet, wenn Ausgleichprojekte im Bereich des Umweltschutzes initiiert werden, wendet der Nächste strengere Kriterien an. Als Anleger kann man dieser Problematik nur entgehen, indem man sich sorgfältig über die einzelnen Geldanlageoptionen informiert und die angewendeten Kriterien mit seinen persönlichen abgleicht.

Leere Versprechungen?

Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass gerade im Feld des nachhaltigen Investments viel versprochen aber wenig gehalten wird. Objektiv betrachtet kann es auch im Feld nachhaltiger Investitionen zu Enttäuschen kommen – insbesondere dann, wenn man in Innovationen investiert hat, die sich nicht auf dem Markt durchsetzen können. Werte, bei denen allerdings von vornherein ersichtlich ist, dass sie nicht vielversprechend sind oder mehr versprechen, als sie halten können, kann man durch eine gute Recherche oft im Vorfeld erkennen und somit ausschließen.

Zeitintensivität

Von manch einem Anleger wird es kritisch bewertet, dass gerade bei Investments in nachhaltige Unternehmen, Projekte und Initiativen sehr viel Arbeitsaufwand anfällt: Der Anleger muss sich hier nicht nur mit den Fragen nach Rendite, Sicherheit und Liquidität beschäftigen, sondern muss zusätzlich prüfen, ob die ökologischen, sozialen und ethischen Komponenten seinen Anforderungen genügen. Dieser Kritik kann man nicht viel entgegensetzen: Wer auch in Sachen Geldanlage aus ökologischer, ethischer und sozialer Perspektive ein gutes Gewissen haben möchte, muss Zeit in eine Auswahl passender Werte investieren. Nicht vergessen werden sollte allerdings hierbei, dass sich eben durch das gute Gewissen ein Mehrwert ergeben kann, der den Aufwand wert sein kann. Die endgültige Entscheidung für oder gegen zeitintensive Investitionen in die Nachhaltigkeit, muss schlussendlich jeder Verbraucher selbst fällen.